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Geschichte

Autorin: Maritta Schödel

Archäologische Funde um Blankenfelde weisen auf eine frühe Besiedlung in dieser Gegend hin. Im Jahr 1926 wird ein Gräberfeld mit 178 Urnenbestattungen aus der Laténe-Zeit (jüngere Eisenzeit im 4./5. Jhdt. v. Chr.) in Arkenberge bei Blankenfelde gefunden.

1230 - 1260   Blankenfelde wird, wie auch die benachbarten Dörfer,  im Zuge der  Besiedlung des Barnim als Straßendorf von rheinischen Siedlern angelegt, die wohl auch den Ortsnamen mitbrachten.
In dieser Zeit entsteht unter Anleitung von Mönchen das älteste Gebäude des Dorfes, die aus unbearbeiteten zum Teil gespaltenen Feldsteinen erbaute Kirche.

1375   Blankenfelde wird erstmals im Landbuch Kaiser Karl IV. urkundlich erwähnt. Das Dorf hat 54 Hufen (1Hufe = 7,6 ha), hat eine Kirche und 1 Krug und der Dorfherr mit allen Rechten ist ein von Bornewitz.

1441 - 1519  Die Dorfherrschaft wechselt mehrfach. Bekanntester Besitzer während dieser Zeit ist Kurfürst Friedrich II., genannt „Eisenzahn“.

1541   In Blankenfelde wird ein „Küsterhäuslein“ erwähnt, in dem Schulunterricht abgehalten wird.

1519 - 1594  Das Dorf ist im Besitz der Familie von Barfuß zu Malchow. Es bildet sich ein Rittersitz heraus. In der Folgezeit wechseln wieder die Dorfherren: von Arnim, von Burgsdorf, von Rochow, Seydel.

1618 - 1648   Der Dreißigjährige Krieg hat Blankenfelde, das am Alten Bernauer Heerweg liegt, sehr stark verwüstet. Von 17 Höfen sind nach Ende des Krieges noch 3 besetzt.

1679   erwirbt Joachim Ernst von Grumbkow, Oberhofmarschall und enger Vertrauter des Großen Kurfürsten, das Dorf Blankenfelde. Er sorgt für den Wiederaufbau des Dorfes und der Kirche, die er im Stil des Barock umgestaltet: Anbau einer Leichenhalle, Einrichtung einer Patronatsloge, größere runde Fenster, Außenputz. Die Wetterfahne des Turmes zeigt die Initialen Grumbkows und die Zahl 1680 (vermutlich das Jahr des Abschlusses der Bauarbeiten). In der Kirche lässt er eine Gruft für sein Erbbegräbnis anlegen. Diese bleibt allerdings leer, da er nach seinem Tode im Jahr 1690 auf seinem Gut in Pommern beigesetzt wird. Er baut das Rittergut mit inzwischen 32 Hufen aus, legt einen großen Park mit Teich und Weinberg an, errichtet eine Brennerei und Brauerei, nachdem er 1688 von der Stadt Berlin die Brennerei- und Brauereigerechtigkeit, ein Monopol für die Herstellung und den Handel mit alkoholischen Getränken erhält.

1703   Eine Schmiede wird als „Laufschmiede“ urkundlich erwähnt. An zwei Tagen in der Woche arbeitet hier ein Schmied aus Niederschönhausen. Das aus Feldsteinen errichtete kleine Gebäude wird mit Unterbrechungen bis 1971 als Schmiede genutzt und ist mit einigen Veränderungen bis heute in der Hauptstr. 45 erhalten.

1711   erwirbt Preußens erster König Friedrich I. das Dorf Blankenfelde von den Nachkommen Grumbkows. Er unterstellt das Dorf der Verwaltung des Amtes Niederschönhausen mit Sitz in Blankenfelde. In dieser Zeit wird ein kleines Jagdschloß nahe der Kirche erwähnt, das im Volksmund  „Schloß Munterbach“ genannt wird.

1776   Ein verheerender Brand vernichtet fast das ganze Dorf. Nur die Kirche, die Schmiede und das inzwischen zu Dienstwohnungen umgebaute Jagdschloß überstehen das Feuer.

um 1780  Es entsteht das heute noch erhaltene älteste Wohnhaus des Dorfes in der Schildower Str. 4. Das märkisches Mittelflurhaus mit einer ehemals vorhandenen Schwarzen Küche wird zuerst als Gemeindehirtenhaus, später als Wohnhaus für Gutsarbeiter genutzt.

1804   Auf der Feldmark zwischen Blankenfelde und Buchholz entsteht auf kircheneigenem Land ein Vorwerk, das „Schötzsche Etablissiment“, benannt nach dem Erbpächter Johann Joachim Friedrich Schötz. 1923 wird es nach dem Erbpächter Johann Gottlieb Friedrich Möller aus Buchholz in „Möllersfelde“ umbenannt.

1811   Nach einem Jahrhundert königlichen Besitz geht das Gut wieder in Privathand über:  der reiche Berliner Kaufmann J.H. Neumann lässt ein neues Herrenhaus errichten. Die Domäne wird wieder Rittersitz.

1813   Auf dem Mühlberg nördlich des Dorfes entsteht eine neue Bockwindmühle, die mit Anlegen der Rieselfelder im Jahre 1891 in den Garten des Müllers Gutschmidt in der Schildower Str. verlegt werden muss. Bei einem Sturm im Jahre 1919 wird sie zerstört und nicht wieder aufgebaut.

1882    Die Stadt Berlin kauft  das Gut Blankenfelde und weitere Bauern-Ländereien zur Anlage von Rieselfeldern nach dem Plan des Stadtbaurates Hobrecht, um die katastrophalen hygienischen Verhältnisse der wachsenden Großstadt Berlin zu ändern.

ab 1890   Für die Gutsarbeiter werden drei zweistöckige Arbeiterhäuser für jeweils acht Familien mit einem für diese Zeit relativ hohen Standard erbaut. Am Dorfende entsteht eine Schnitterbaracke für Saisonkräfte.

1891   Das Herrenhaus und die Brennerei des Gutes werden zu einer Heimstätte für Wöchnerinnen und ab 1893 wegen mangelnder Auslastung dieser in ein Krankenhaus für Leichtlungenkranke umgebaut. In dieser Zeit werden mehrere Liegehallen errichtet. Ab 1932 wird  das Haus als Altersheim genutzt. Nach Kriegsende dient es zahlreichen Flüchtlingen und Umsiedlern als Unterkunft.

1893   Das ehemalige königliche Jagdhaus wird abgerissen. 1896 entsteht an dessen Stelle eine neue Schule mit zwei Klassenzimmern und einer Wohnung für den Lehrer. 1926 erhält die Schule wegen der inzwischen angewachsenen Bevölkerung  einen Anbau, dabei wird die bisher übliche Gasbeleuchtung durch Elektrizität ersetzt. Wegen Entstehung der Stadtrandsiedlung wird im Jahr 1932  ein Provisorium, eine Baracke mit 4 Unterrichtsräumen, errichtet, die erst 1996 abgerissen wird. 1935 erfolgt dann der zweite Anbau. In dieser Form hat sich die Schule bis heute erhalten.

1901  Die Niederbarnimer Eisenbahn, genannt „Heidekrautbahn“, wird  von Reinickendorf in die Schorfheide für den Güter- und Personenverkehr in Betrieb genommen. In Blankenfelde entsteht am westlichen Ortsausgang ein Bahnhof.

1904   Die Freiwillige Feuerwehr Blankenfelde wird gegründet. Eine neue Feuerwache wird  erst in den Jahren 1951/52 gebaut. Bis dahin steht die jeweilige Technik im alten Spritzenhaus neben der heutigen Feuerwache.

1906   Das alte Küster- und Schulhaus (Hauptstr. 22) wird abgerissen und es entsteht an dieser Stelle kurze Zeit danach ein Beamtenwohnhaus für Angestellte des Gutes. Zu DDR-Zeiten befindet sich hier das Ambulatorium mit Praktischem Arzt, Zahnarzt und Mütterberatungsstelle.

1909   Aus den Rieselfeldern des Stadtgutes wird eine 30 Hektar große Fläche herausgelöst  und es entsteht der Schulgarten Blankenfelde, der zu dieser Zeit größte in Europa. Vom bisherigen Standort des Schulgartens Humboldthain wird im Jahre 1914 die geologische Wand nach Blankenfelde verlagert. Diese Wand besteht aus 124 verschiedenen Gesteinsarten und stellt die verschiedenen geologischen Zeitalter dar. In den Jahren 1928/29 wird eine Schaugewächs-hausanlage mit 2 Hochgewächs-Häusern errichtet. Seit 1994 steht der „Botanische Volkspark“  unter Denkmalschutz und ist Eigentum des Bezirks Pankow.
Ab 1.1.2011 ist die Verantwortung für den Botanischen Volkspark vom Bezirksamt Pankow an die „Grün Berlin GmbH“ übergegangen.  

1920   Blankenfelde wird als Teil des 19. Verwaltungsbezirks Pankow nach Groß-Berlin, nicht ganz freiwillig,  eingemeindet, nachdem der Ort erst 1891 selbständige Landgemeinde mit eigenem Bürgermeister und Gemeindevertretung geworden war.

ca. 1925   Die heutige Bundesstraße B96a wird mitten durch den Gutspark bis zur Ortsmitte angelegt. 1971 wird diese vierspurige und 22 m breite Bundesstraße in Richtung Schildow verlängert. Dafür wird das alte Büdnerhaus Hauptstr. 21 abgerissen.

1932   Das Dorf vergrößert sich: es entstehen die Stadtrandsiedlung, die Kleingartenanlage Arkenberge und die katholische Siedlung Marienthal, nachdem sich schon einige Jahre vorher die Anlage Idehorst bildet. 1938 hat Blankenfelde 2931 Einwohner.

1938 - 1941   Die aus dem Mittelalter stammende Dorfkirche wird gründlich rekonstruiert. Die ursprünglichen gotischen Fenster und das Mauerwerk werden freigelegt. Die barocke Innenausstattung geht verloren. Die Gruft des Erbbegräbnisses v. Grumbkows wird zu einer unterirdischen Heizungsanlage umgebaut.

ab 1940   bis Kriegsende bestehen am Rand von Blankenfelde zwei Lager für Zwangsarbeiter.
An der Blankenfelder Chaussee sind auf dem Gebiet der früheren Ferienspielplätze Berlins Baracken errichtet, in denen italienische Fremdarbeiter für den Luftschutzbunkerbau und kommunale Aufgaben  im Auftrag des Generalbauinspektors Speer untergebracht sind. Dieses Lager wird später als Altersheim, Sozialheim und als Aufnahmeheim für aus der BRD und Westberlin Zuziehende und Rückkehrer genutzt. Heute ist dieses Gelände in Besitz der Berliner Forsten.

In der Nähe des Blankenfelder Bahnhofs  besteht seit Ende 1941 ein Durchgangs- und Kriegsgefangenenlager für Ostarbeiter/innen. Ab Herbst 1942 bis zum Kriegsende wird dieses Lager als Krankensammellager für arbeitsunfähige Ostarbeiter genutzt. Ostarbeiter waren zwangsdeportierte Frauen und Männer, überwiegend aus besetzten Teilen der damaligen Sowjetunion. Viele stammten aus der Ukraine und aus Weißrußland.

21. April 1945   Die Rote Armee marschiert in Blankenfelde ein. Das Gut wird Versorgungsgut der Sowjetarmee.

1949   Die DDR wird gegründet. Blankenfelde gehört zum sowjetischen Sektor von Berlin.

1950   Das Volkseigene Gut (VEG) Blankenfelde wird gebildet. 1960 entsteht eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) vom Typ I mit dem Namen „Berliner Bär“.

1961   Die Sektorengrenze zwischen Ost- und Westberlin wird abgeriegelt, Berlin wird mit Stacheldraht und Mauerbau zweigeteilt.
Der Betrieb der „Heidekrautbahn“, die sich im Grenzgebiet zu Westberlin befindet, wird zwischen Blankenfelde und Wilhelmsruh zuerst für den Personenverkehr und später ganz eingestellt.

1978   Die Dorfanlage und das Gut werden als „Denkmal mit Gebietscharakter“ in die Kreisdenkmalliste nach § 9 Abs. 2 des Denkmalpflegegesetzes der DDR aufgenommen.

1985   Nach Fertigstellung des Klärwerks Nord in Schönerlinde  und des Blankenfelder Grabens (im Volksmund „Stiller Don“)  werden die Rieselfelder um Blankenfelde stillgelegt. Das Gebiet wird aufgeforstet und im Jahre 2004 unter Landschaftsschutz gestellt.

1990   Nach dem Mauerfall 1989 ändert sich das von der Landwirtschaft geprägte Bild in Blankenfelde: aus den Bauernhöfen werden Reiterhöfe.

1990   In Eigeninitiative öffnen die Freiwilligen Feuerwehren Blankenfelde und Lübars am  8. Juni  den Grenzübergang zwischen beiden Dörfern für Fußgänger und Radfahrer. Ein Gedenkstein am ehemaligen Mauerstreifen erinnert an diesen Tag.

1994   Durch das Bezirksamt Pankow wird eine Erhaltungsverordnung  für das in seiner historischen Struktur erhaltene Dorf erlassen. Bauliche Veränderungen bedürfen einer Genehmigung.

1997   Die neue Kindertagesstätte „Schwalbennest“ in der Hauptstr. 16 wird eingeweiht. Eine weitere Kindertagesstätte, „Kleine Strolche“, entsteht im Jahre 2006 in der Hauptstr. 60.

2006   Nach jahrelangem Leerstand wird der Verein Stadtgut Blankenfelde Besitzer des Gutes. Dieser plant ein Projekt für „altersübergreifendes Wohnen“ und Gewerbe auf dem Hof. Im Jahre 2006 entsteht hier ein Waldkindergarten und eine Freie Naturschule wird im Jahr 2007 eröffnet.

2008   Nach umfangreichen Baumaßnahmen erhält Blankenfelde einen Anschluss ans Abwassernetz und eine Regenentwässerung. Fahrbahnen, Gehwege und die Straßenbeleuchtungsanlage werden teilweise erneuert.

2010   Erneuerung der B96a, Ortsdurchfahrt Dorf Blankenfelde